REKONSTRUKTION UND SANIERUNG
Für die Sicherheit, Langlebigkeit und den Werterhalt von Stahlbetonkonstruktionen sind regelmäßige Wartungs- und Instandsetzungsmaßnahmen unerlässlich. Umfang und Häufigkeit dieser Maßnahmen hängen insbesondere von der Ausführungsqualität, dem vorbeugenden Schutz sowie der laufenden Instandhaltung der Bauwerke ab.
Die Ursachen für Schäden an Stahlbetonkonstruktionen können sowohl äußere Einflüsse – wie Witterung, Umwelteinwirkungen oder chemische Belastungen – als auch innere Faktoren, beispielsweise Ausführungsfehler, Materialmängel oder unzureichende Instandhaltung, sein.
Die Schadensanalyse erfolgt durch eine sorgfältige Sichtprüfung (Korrosionsschäden, Rissbildungen, Betonabplatzungen, Delaminationen usw.) sowie durch Vor-Ort- und Laboruntersuchungen. Dabei werden unter anderem die Karbonatisierungstiefe des Betons, die Betondeckung der Bewehrung sowie der Chloridgehalt bestimmt.
Auf Grundlage der ermittelten Ergebnisse wird der Schadensumfang bewertet und ein maßgeschneidertes Sanierungskonzept erstellt. Dieses umfasst die geeigneten Sanierungsverfahren sowie alle erforderlichen Maßnahmen zur fachgerechten Instandsetzung der Stahlbetonkonstruktion.
Moderne Technologien für die Instandsetzung von Stahlbetonkonstruktionen umfassen folgende Arbeitsschritte:
- Abtrag von Beton mittels Hochdruckwasserstrahl
- Hydrodynamische Oberflächenreinigung
- Schutz, Austausch und Ergänzung der Bewehrung
- Injektion von Rissen
- Reprofilierung von Stahlbetonkonstruktionen mit Betoninstandsetzungsmörteln
- Aufbringen von Schutz- und Beschichtungssystemen
1. Abtrag von Beton mittels Hochdruckwasserstrahl
Der Betonabtrag mittels Hochdruckwasserstrahl ist ein hydrodynamisches Verfahren zur Entfernung von geschädigtem Beton mit Wasser unter einem Druck von bis zu 2.500 bar. Dabei wird der beschädigte Beton bis auf den tragfähigen, festen und sauberen Untergrund entfernt. Dieses Verfahren schützt die vorhandene Bewehrung und schafft eine optimale Oberfläche für die anschließende Reprofilierung.
Ein wesentlicher Vorteil des hydrodynamischen Betonabtrags gegenüber mechanischen Abbruchverfahren mit Presslufthammer besteht darin, dass keine schädlichen Vibrationen entstehen, welche Mikrorisse im Beton verursachen könnten. Dadurch bleibt die Tragstruktur erhalten und die Bewehrung wird bis auf metallisch blanken Stahl freigelegt. Aufgrund seiner hohen Effizienz, Materialschonung und Zuverlässigkeit hat sich dieses Verfahren weltweit als Standard in der Betoninstandsetzung etabliert.
2. Hydrodynamische Oberflächenreinigung
Nach dem hydrodynamischen Abtrag des geschädigten Betons wird die Betonoberfläche durch eine hydrodynamische Reinigung mit einem Hochdruckwasserstrahl von bis zu 800 bar gereinigt. Dabei werden sämtliche Verunreinigungen entfernt und die Oberfläche optimal für das Aufbringen von Betoninstandsetzungs- und Reprofilierungsmörteln vorbereitet.
3. Schutz, Austausch und Ergänzung der Bewehrung
Die Bewehrung übernimmt die Zugkräfte innerhalb einer Stahlbetonkonstruktion und trägt maßgeblich zu deren Tragfähigkeit bei. Bei erheblichen Schäden müssen einzelne Bewehrungsstäbe instand gesetzt oder ersetzt werden.
Zunächst wird die Bewehrung von Betonresten und Rost bis auf metallisch blanken Stahl gereinigt. Nach der Reinigung und Begutachtung werden beschädigte Bewehrungsstäbe ausgetauscht oder ergänzt. Anschließend wird die gesamte Bewehrung mit einem hochwertigen Korrosionsschutzsystem dauerhaft vor Korrosion geschützt.
4. Injektion von Rissen
Bei der Inspektion von Stahlbetonkonstruktionen werden häufig Risse festgestellt. Risse im Beton stellen ein erhebliches Risiko dar, da sie nicht nur die Tragfähigkeit der Konstruktion beeinträchtigen, sondern auch das Eindringen von Chloriden, schädlichen Gasen und anderen aggressiven Stoffen ermöglichen. Aus diesem Grund müssen Risse mit einer Breite von ≥ 0,3 mm durch eine strukturelle Injektion fachgerecht instand gesetzt werden.
Die Rissinjektion erfolgt nach einem bewährten Standardverfahren. Zunächst wird der Riss an der Betonoberfläche V-förmig geöffnet und mit einer hochwertigen Dichtmasse verschlossen. Anschließend werden Injektionspacker gesetzt und das Injektionsharz unter Druck in den Riss eingebracht, um eine dauerhafte kraftschlüssige Verbindung der Konstruktion wiederherzustellen.
5. Reprofilierung von Stahlbetonkonstruktionen mit Betoninstandsetzungsmörteln
An den Stellen, an denen beschädigter Beton entfernt wurde, werden die Betonoberflächen reprofiliert, um die ursprüngliche Form und Tragfähigkeit der Konstruktion wiederherzustellen. Die Reprofilierung erfolgt im sogenannten Nassspritzverfahren, bei dem Betoninstandsetzungsmörtel maschinell auf die Stahlbetonkonstruktion aufgebracht werden.
6. Aufbringen von Schutz- und Beschichtungssystemen
Nach Abschluss der Betoninstandsetzungsarbeiten empfiehlt es sich, alle sichtbaren und freiliegenden Oberflächen der Stahlbetonkonstruktion mit einem geeigneten Schutz- und Beschichtungssystem zu versehen. Dadurch werden sowohl die Dauerhaftigkeit als auch der Korrosionsschutz verbessert und gleichzeitig das optische Erscheinungsbild der Konstruktion aufgewertet.